Zum Inhalt springen
Alle Beiträge
· 4 Min. Lesezeit

Website mit KI erstellen: Was taugt das wirklich?

ChatGPT und KI-Baukästen bauen dir in Minuten eine Website. Sieht gut aus – aber wo hört der Zauber auf? Eine ehrliche Einordnung von jemandem, der KI täglich nutzt.

Christian Raudner

Christian Raudner

Webdesigner, Weststeiermark

Website mit KI erstellen: Was taugt das wirklich?

Kurzfassung: Ja, KI kann heute in wenigen Minuten eine Website bauen, die auf den ersten Blick erstaunlich gut aussieht. Ich sage das ohne Neid – ich arbeite selbst jeden Tag mit KI. Aber zwischen „sieht gut aus“ und „bringt meinem Betrieb Kunden und keinen Ärger“ liegt genau die Arbeit, die die Werbevideos weglassen.

Was die KI-Baukästen wirklich gut können

Erst das Lob, es ist verdient: Wer heute in einen KI-Baukasten tippt „Website für eine Tischlerei in der Steiermark“, bekommt in zwei Minuten etwas, wofür man vor fünf Jahren zwei Wochen gebraucht hätte. Struktur, Farbwelt, Platzhaltertexte, sogar passende Symbolbilder – alles da.

Für ein erstes Gefühl, wie ein Auftritt aussehen könnte, ist das großartig. Als Skizze. Als Gesprächsgrundlage.

Und genau da fangen die Probleme an – nicht weil die KI schlecht wäre, sondern weil eine Website mehr ist als das, was man sieht.

Wo es hakt, Punkt für Punkt

Die Texte klingen wie überall. KI-Texte sind der Durchschnitt von allem, was im Netz steht. „Wir sind Ihr zuverlässiger Partner für individuelle Lösungen“ – solche Sätze erzeugt die Maschine am laufenden Band, und deine Kundschaft überliest sie, weil sie sie schon hundertmal gelesen hat. Was die KI nicht weiß: dass du der Einzige im Bezirk bist, der noch Kastenfenster restauriert. Das steht in keinem Trainingsdatensatz – das steht in deinem Kopf.

Recht ist nicht eingebaut. Impressum nach österreichischem Recht, eine Datenschutzerklärung, die zu den tatsächlich eingebauten Diensten passt, lokal eingebundene Schriften statt Google Fonts, Cookie-Frage sauber gelöst – nichts davon erledigt ein KI-Baukasten verlässlich von selbst. Die Abmahnwelle 2022 hat genau die getroffen, die dachten, das Technische werde schon passen.

Das Bilder-Problem. Die KI illustriert deine Werkstatt mit einer Werkstatt, die es nicht gibt, und deinem Team mit Menschen, die nie bei dir gearbeitet haben. Seit August 2026 ist das nicht nur unglaubwürdig, sondern bei fotorealistischen Bildern auch kennzeichnungspflichtig – die Details stehen in meinem Beitrag zur KI-Kennzeichnung. Ein echtes Foto deiner echten Werkstatt schlägt jedes generierte Bild. Immer.

Danach bist du im Abo. Die meisten KI-Baukästen sind Mietmodelle. Die Seite, die in zwei Minuten entstand, kostet dich danach jeden Monat – und sie gehört dir nicht. Kündigst du, ist sie weg. Was das langfristig bedeutet, habe ich im Lexikon unter Website-Baukasten aufgeschrieben.

Gefunden wird sie deshalb noch lange nicht. Eine generierte Seite hat keine Geschichte, keine Verlinkungen, oft nicht einmal saubere Grundlagen für die lokale Suche. Sie existiert – mehr erst mal nicht.

Der ehrliche Teil: Ich nutze KI selbst

Damit das nicht falsch rüberkommt: Ich arbeite täglich mit KI. Für Recherche, für Textentwürfe, für Code, für Bildideen. Sie ist für mich das, was die Oberfräse für den Tischler ist – ein sehr gutes Werkzeug, das niemandem die Entscheidung abnimmt, wo geschnitten wird.

Was sie nicht ändert, ist der Aufwand für das, was danach kommt: Jeder Text geht durch meinen Kopf und bekommt die Stimme des Betriebs, für den er geschrieben ist. Jedes Bild ist echt oder gekennzeichnet. Impressum, Datenschutz, Hosting, Google-Einträge, Weiterleitungen beim Umzug – das ist Handwerk, keine Magie, und es muss gemacht werden. Genau dafür bezahlst du, nicht für das Tippen.

Für wen der KI-Baukasten trotzdem reicht

Ehrlichkeit in beide Richtungen: Wenn du ein Hobby-Projekt startest, ein Budget nahe null hast oder einfach schnell irgendetwas online brauchst – nimm den KI-Baukasten. Er ist besser als nichts und besser als eine halbfertige Seite, die nie live geht.

Nur zwei Dinge würde ich dir auch dann raten: Registriere die Domain selbst und auf deinen Namen, damit du später wechseln kannst, ohne deine Adresse zu verlieren. Und lass Impressum und Datenschutzerklärung einmal von jemandem prüfen, der sich auskennt.

Was das für dich heißt

Probier es ruhig aus – im Ernst. Lass dir von einer KI eine Website für deinen Betrieb bauen und schau sie dir an. Wenn du danach denkst „passt eh“, hast du Geld gespart. Wenn du denkst „irgendwas fehlt“ – das, was fehlt, ist der Teil, den ich mache.

Und wenn du wissen willst, wie deine bestehende oder generierte Seite dasteht: Schick mir die Adresse. Der Check kostet nichts, und du bekommst eine ehrliche Antwort – auch wenn sie lautet: „Lass sie, wie sie ist.“


Foto von Andras Vas auf Unsplash

Beitrag teilen