Seit zwei Jahren verkauft eine ganze Branche „GEO” und „AEO” — Optimierung dafür, in KI-Antworten vorzukommen. Jetzt hat Google offizielle Best Practices dazu veröffentlicht. Und der interessanteste Teil ist nicht, was drinsteht, sondern was ausdrücklich als wirkungslos bezeichnet wird: Mehrere Dinge, die dir gerade als KI-Optimierung verkauft werden, ignoriert Google nach eigener Aussage vollständig.
Ich habe den Leitfaden gegen meine eigene Website gehalten. Nicht alles, was ich gefunden habe, war schmeichelhaft.
Die Kernaussage in einem Satz
Optimierung für KI-Suche ist Optimierung für Suche. Punkt.
Die KI-Funktionen greifen auf denselben Suchindex und dieselben Ranking-Systeme zurück wie die normale Ergebnisliste. Google beschreibt zwei Mechanismen. Beim ersten, Retrieval-Augmented Generation, holen die üblichen Ranking-Systeme passende Seiten aus dem Index, und aus den Inhalten dieser Seiten wird die Antwort gebaut. Beim zweiten zerlegt das Modell eine Frage in mehrere Teilanfragen und sucht parallel danach.
Beides bedeutet dasselbe für dich: Es gibt keinen zweiten Eingang. Wer im Index nicht gut dasteht, steht auch in der KI-Antwort nicht drin.
Was du getrost ignorieren kannst
Google räumt in einem eigenen Abschnitt mit Praktiken auf, die gerade aktiv verkauft werden.
Die llms.txt-Datei. Eine Textdatei, die einer KI erklären soll, worum es auf deiner Seite geht. Google sagt dazu klar: wird nicht verwendet, hat weder positive noch negative Auswirkungen. Ich habe selbst eine. Sie bleibt, weil andere Systeme sie lesen — aber als Google-Argument taugt sie nicht, und wer sie dir als solches verkauft, weiß es entweder nicht besser oder sagt es dir nicht.
Inhalte in Häppchen zerlegen. Die Idee, Texte in möglichst kleine Abschnitte zu schneiden, damit die KI sie besser „verdauen” kann. Google: nicht nötig, die Systeme verstehen mehrere Themen auf einer Seite. Es gibt auch keine ideale Seitenlänge.
Für KI umschreiben. Du musst nicht anders formulieren, damit ein Sprachmodell dich zitiert. Die Systeme verstehen Synonyme und den Sinn einer Frage, auch wenn du nicht exakt die Wörter des Suchenden verwendest.
Strukturierte Daten als KI-Hebel. Das ist der Punkt, an dem ich meine eigene Seite korrigieren musste. In meinem Lexikon stand sinngemäß, Sprachmodelle griffen bevorzugt auf sauber ausgezeichnete Fakten zurück. Google sagt: für KI-Antworten nicht erforderlich, es gibt kein spezielles Markup dafür. Ich habe den Absatz umgeschrieben. Schema.org bleibt trotzdem sinnvoll — für erweiterte Suchergebnisse und dafür, dass Kartendienste und Assistenten deine Öffnungszeiten korrekt wiedergeben. Nur eben nicht als KI-Trick.
Erwähnungen erzeugen. Künstlich gestreute Nennungen in Foren und Blogs bringen weniger, als sie kosten. Die Spam-Systeme, auf die sich auch die KI-Funktionen stützen, sind genau dafür da.
Was tatsächlich zählt
Der Leitfaden nennt als stärksten Hebel etwas, das sich schlecht als Paket verkaufen lässt: nicht alltägliche Inhalte.
Das Beispiel, das Google selbst verwendet, ist bezeichnend. „7 Tipps für Erstkäufer von Immobilien” — Allgemeinwissen, könnte von jedem stammen. Dagegen: „Warum wir auf die Inspektion verzichtet und Geld gespart haben: Ein Blick in die Abwasserleitung.” Der zweite Text kann nur von jemandem kommen, der es erlebt hat.
Übersetzt auf einen Betrieb in der Weststeiermark heißt das: Der Beitrag „Fünf Gründe für eine professionelle Website” ist wertlos, weil er auf tausend Agenturseiten steht. Der Beitrag „Welche vier Fragen unsere Rezeption dreißigmal am Tag beantwortet hat, bis sie auf der Website standen” ist wertvoll, weil ihn außer dir niemand schreiben kann.
Dazu kommen die unspektakulären Dinge: eine saubere technische Basis, crawlbare Inhalte, ordentliche Bilder, Seiten, die auf allen Geräten funktionieren und schnell laden. Alles, was seit fünfzehn Jahren gilt.
Was ich auf der eigenen Seite geändert habe
Ich halte nichts davon, Ratschläge zu geben, die man selbst nicht befolgt. Der Durchgang hat sieben Punkte ergeben, sechs davon habe ich sofort umgesetzt.
Bilder. Ein einzelnes Beitragsbild lag bei 3,8 Megabyte und 4000 mal 6000 Pixel. Peinlich für jemanden, der Ladezeit verkauft. Alle Bilder liegen jetzt unter 300 Kilobyte, in Summe 6,1 auf 3,1 Megabyte.
Beweise statt Behauptungen. Meine Projektseite versprach „messbare Ergebnisse” und zeigte keine einzige Zahl. Jedes Projekt hat jetzt eine eigene Seite, und wo Messwerte vorliegen, stehen sie mit Datum und Quelle dabei — nachprüfbar, weil PageSpeed Insights jeder selbst bedienen kann.
Dünne Ortsseiten. Ich hatte elf Seiten für elf Gemeinden, von denen jede rund neunzig eigene Wörter hatte und der Rest identisch war. Das ist gefährlich nah an dem, was Google als in großem Umfang erzeugte Inhalte bezeichnet. Drei Seiten mit sehr wenig Suchvolumen sind jetzt eine ehrliche Regionsseite, die alle drei Gemeinden nennt. Die übrigen haben echtes Fachwissen zu den Branchen bekommen, die dort tatsächlich vorkommen.
Aktualität sichtbar machen. Google nennt Aktualität als Kriterium dafür, welche Seiten für Antworten herangezogen werden. Beiträge zu Rechtsthemen tragen jetzt ein Prüfdatum — sichtbar auf der Seite und maschinenlesbar im Quelltext.
Ein technischer Fehler, den ich seit Monaten mit mir herumtrug. Jede Seite trug eine Canonical-Angabe ohne Schrägstrich am Ende, während der Server die Variante mit Schrägstrich ausliefert und die Sitemap ebenfalls diese nennt. Google bekam pro Seite drei leicht verschiedene Adressen für dasselbe Dokument. Gefunden habe ich das nur, weil ich wegen des Leitfaden-Abschnitts zur technischen Struktur genauer hingesehen habe.
Der siebte Punkt ist der unbequemste, und er ist noch offen: Zwei meiner Beiträge sind zu dünn und zu allgemein. Das lässt sich nicht durch Technik lösen.
Was du daraus mitnehmen kannst
Wenn dir jemand KI-Sichtbarkeit als eigenes Produkt verkauft, stell zwei Fragen. Erstens: Was genau davon steht im offiziellen Leitfaden? Zweitens: Was passiert, wenn ich es nicht mache?
Wer dir eine llms.txt als Google-Faktor verkauft, ein Schema-Paket für KI-Antworten oder gekaufte Erwähnungen — der verkauft Dinge, die der Hersteller selbst als wirkungslos bezeichnet.
Was bleibt, ist unspektakulär und mühsam: eine technisch saubere Seite, die schnell lädt, und Inhalte, die aus deiner eigenen Arbeit kommen. Der Vorteil daran ist, dass es niemand für dich abkürzen kann — deine Mitbewerber eingeschlossen.
Der Leitfaden von Google ist öffentlich und in deutscher Fassung verfügbar. Wenn du wissen willst, wo deine Seite dabei steht: Schick mir die Adresse, ich schaue drüber und sage dir, was mir auffällt.
Stand: 22. August 2026. Bezieht sich auf die Fassung des Google-Leitfadens zu generativen KI-Funktionen vom August 2026. Credit: Foto von Aerps.com auf Unsplash
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