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·4 Min. Lesezeit

In ChatGPT kann man jetzt Werbung schalten – auch aus Österreich

Seit Ende August geht das auch bei uns. Was OpenAI tatsächlich anbietet, warum es für die meisten Betriebe in der Region trotzdem noch nichts ist – und was stattdessen zählt.

Christian Raudner

Christian Raudner

Webdesigner, Weststeiermark

In ChatGPT kann man jetzt Werbung schalten – auch aus Österreich

Seit 24. August 2026 zeigt ChatGPT in 31 europäischen Märkten Werbung an, Österreich ist dabei. Seit Ende August kommt man auch als kleiner Betrieb selbst an den Anzeigenmanager, ohne Agentur dazwischen. Das ist eine echte Neuerung – bisher war Werbung in KI-Antworten ein Gerücht.

Die naheliegende Frage lautet: Soll ich da jetzt mitmachen?

Meine ehrliche Antwort für einen Betrieb in der Weststeiermark: noch nicht. Und zwar nicht aus Prinzip, sondern weil drei Details dagegen sprechen, die in den Ankündigungen meist untergehen.

Wie das überhaupt aussieht

Die Anzeige steht nicht in der Antwort. Sie steht darunter, durch eine graue Linie abgetrennt und als gesponsert gekennzeichnet. OpenAI betont, dass Werbetreibende keinen Einfluss auf den Inhalt der Antwort haben und keine Gesprächsverläufe zu sehen bekommen.

Das ist sauberer gelöst, als ich erwartet hätte. Es ist näher an einer Anzeige neben einem Suchergebnis als an bezahlter Meinung.

Drei Gründe, warum es für dich noch nicht passt

Erstens: Du erreichst nicht alle. Werbung sehen nur Leute im kostenlosen Tarif und im günstigen Go-Abo. Wer Plus oder Pro zahlt, sieht keine. Das ist keine Kleinigkeit – gerade die Zahlenden nutzen ChatGPT am intensivsten.

Zweitens: In Europa gibt es vorerst keine personalisierte Werbung. Was bei Google Ads der ganze Trick ist – „zeig das nur Leuten, die im Bezirk Voitsberg nach einem Installateur suchen” –, geht hier so nicht. Für einen Betrieb, dessen Einzugsgebiet vierzig Kilometer weit reicht, ist das der entscheidende Punkt. Streuverlust kostet dich Geld, das du woanders besser einsetzt.

Drittens: Sensible und regulierte Themen bleiben werbefrei. Gesundheit gehört dazu. Für eine Ordination ist dieser Kanal damit weitgehend zu, bevor er aufgeht.

Was daran trotzdem wichtig ist

Der Punkt ist nicht die Anzeige. Der Punkt ist, dass Kaufentscheidungen zunehmend in einem Chatfenster beginnen statt in einer Ergebnisliste. Dass dort jetzt Werbung steht, ist vor allem der Beweis, dass genug Leute diesen Weg gehen, um ihn zu Geld zu machen.

Für dich heißt das: Wichtiger als eine Anzeige neben der Antwort ist, in der Antwort selbst vorzukommen. Und dafür gilt weiterhin, was ich im Beitrag über Googles KI-Leitfaden beschrieben habe – es gibt keinen Trick, keine Datei, kein Schema-Feld, das dich in KI-Antworten hebt.

Was tatsächlich zählt, ist unspektakulär:

  • Eindeutige Angaben. Was du machst, wo du das machst, für wen. In ganzen Sätzen, nicht in Schlagworten. „Tischlerei für Massivholz im Bezirk Voitsberg” ist zitierbar, „Ihr Partner für Wohnträume” ist es nicht.
  • Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil. Öffnungszeiten, Adresse, Telefonnummer – die Systeme ziehen sich diese Daten aus mehreren Quellen und vergleichen sie. Widersprüche kosten dich Sichtbarkeit.
  • Eine Seite, die man lesen kann. Ohne Cookie-Popup vor dem ersten Satz, ohne dass man drei Absätze braucht, um den Preis zu ahnen.

Mehr dazu steht im Lexikon unter KI-Suchen und GEO.

Wann ich es anders sehen würde

Wenn OpenAI regionales Targeting nachreicht, ändert sich die Rechnung. Dann wäre es für Betriebe mit klarem Einzugsgebiet einen Test wert – mit kleinem Budget und der Bereitschaft, nach vier Wochen wieder aufzuhören.

Bis dahin gilt: Wer heute Geld in Sichtbarkeit steckt, holt in der Region mit einem vollständigen Google-Profil und einer klaren Website mehr heraus als mit Anzeigen in einem Chatfenster. Das ist weniger aufregend, aber es rechnet sich eher.

Wenn du unsicher bist, ob dein Auftritt in KI-Antworten überhaupt auftaucht: schreib mir kurz. Ich schau es mir an und sage dir in ein paar Sätzen, was ich sehe. Kostet nichts.


Stand: 5. September 2026. Angaben nach OpenAI sowie der Berichterstattung von heise online und ORF zum Start am 24. August 2026. Werbeprodukte ändern sich schnell – prüf die Konditionen vor einer Buchung selbst nach.

Foto von Levart_Photographer auf Unsplash

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